Beim KINESIOLOGISCHEN TAPE

(oder Physio-Tape) handelt es sich um ein elastisches, selbstklebendes, therapeutisches Tape aus einem dehnbaren, textilen Material, auf das ein Polyacrylatkleber aufgebracht ist. Unter Anwendung spezieller, unterschiedlicher Techniken ("Taping") wird dieses Tape auf die Haut aufgebracht und soll dort unterschiedliche Wirkungen erzielen. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht bestätigt.[1]

 

 

 

Eigenschaften

Die Materialeigenschaften sind derart gewählt, dass ein maximales funktionelles Bewegungsmaß ("Free Range of Motion") gewährleistet ist, um ein freies und heilungsorientiertes Training ermöglichen zu können. Dies stellt einen Unterschied zum konventionellen, unelastischen Tapeverband dar, dessen Wirkprinzipien auf Kompression, Schienung und Augmentation beruht.

 

Bei dem Trägermaterial handelt es sich um Baumwollgewebe, welches mit Elastan-Fäden längs durchzogen ist. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch, meist für den Einsatz im Sportbereich empfohlene Tape-Varianten, bei denen ein Viskosematerial oder ein nicht näher definiertes synthetisches Material anstatt der Baumwolle verwendet wird.

 

Die Elastizität der Tapes wird in der Regel mit dehnbar bis auf 130–140 % der ursprünglichen Länge angegeben. Einzelne Anbieter verweisen auf eine höhere Dehnbarkeit von bis auf 180 %. Dabei sind die Tapes in erster Linie längs-, aber auch schrägelastisch. Dadurch kann das Tape den Gelenkbewegungen sehr gut folgen. Die Elastizitätseigenschaften sollen ähnlich derer der menschlichen Haut hinsichtlich Dicke, Schwere und Dehnfähigkeit sein.

 

Auf das textile Trägermaterial ist ein als sensitiv geltender Acrylatkleber wellenförmig (sinusförmige Aussparungen) aufgebracht. Der Acrylatkleber ist latex- und wirkstofffrei und wird durch Körperwärme und Anreiben auf der Haut aktiviert.

 

Das Tape ist luft-, feuchtigkeits- und flüssigkeitsdurchlässig. Es ist wasserbeständig, so dass es auch während des Duschens, beim Schwimmen und bei erhöhter Schweißbildung (z. B. beim Sport) haften bleibt. Je nach äußeren Umständen hält es bis zu 7 Tage auf der Haut.

 

Das Tape ist mit einer 10%igen Dehnung auf die Trägerfolie (Papierunterlage) aufgebracht.

 

Im Handel gibt es sowohl Tape-Rollen zu erwerben als auch, angepasst an die Techniken, vorgeschnittene Tape-Stücke („Pre-Cuts“).

 

Historie

Ursprünglich stammen das Tape und die Methode aus Japan. 1973 entwickelte der Chiropraktiker Kenzo Kase das so genannte Kinesio Taping und in Zusammenarbeit mit der Firma Nitto Denko Corporation das dazugehörige Kinesio Tape.

 

Verschiedene Überlegungen lagen der Entwicklung der Methode und des Tapes zugrunde. Neue Therapietechniken für die Behandlung von Sportverletzungen, die nicht die Ruhigstellung von Gelenken, sondern bewusst die Mobilisation des Stütz- und Bewegungsapparates in den Vordergrund stellen, sowie ein sanfter Ansatz zur Verbesserung der Nachhaltigkeit der manuellen Behandlung sollten eine Ergänzung zu den üblichen Methoden darstellen. Die immer wieder auftretenden negativen Auswirkungen durch die konventionelle chiropraktische Behandlung sollten möglichst gering gehalten werden. Die Entwicklung fußt demnach auf der Erkenntnis, dass mit dem Einrenken von Gelenken nicht die Ursache behandelt wird, und dass konventionelle, unelastische Tapes der relativen Ruhigstellung von Gelenken dienen, was teilweise Blockaden auslösen und den Heilungsprozess behindern kann. Inzwischen ist in der Medizin bekannt, dass kontrollierte, moderate Bewegung bei bestimmten Verletzungen den Heilungsprozess fördern kann. Durch die Eigenschaften des kinesiologischen Tapes wird die Bewegungsmöglichkeit nach Anlage nicht eingeschränkt und eine Art dauernde Massage der Muskulatur erreicht.

 

Schon Ende der 1980er Jahre tauchten erstmals "bunte Pflaster" an Muskulatur und Gelenken von japanischen und koreanischen Sportlern auf. Doch erst bei den olympischen Spielen 2008 in Peking fielen vereinzelt Sportler unterschiedlicher Nationalität pressewirksam auf, die den Wettkampf mit einem kinesiologischen Tape bestritten.

 

Mittlerweile hat sich diese Methode, gefördert durch den vermehrten Einsatz im Profi-Sportbereich, auch in den USA und Europa verbreitet. Durch die Medienpräsenz gibt es ein reges Interesse von Patienten sich über diese Methode und die kinesiologischen Tapes zu informieren. Aufgrund des inzwischen anhaltenden Trends und Interesses, gab es auch schon verschiedene Informationssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

 

Taping-Methode

Die ursprüngliche Taping-Methode wurde entwickelt aus fernöstlichem Gedankengut und Philosophien und basiert z. T. auf den Prinzipien der Kinesiologie. Die der Methode eigenen Techniken von Kenzo Kase sind inzwischen sowohl von ihm selbst erweitert, als auch von einigen Herstellern, Ärzten und Physiotherapeuten besonders in Europa in weiten Teilen modifiziert, verändert und aufgrund der nun größeren Erfahrungswerte mit neuen Techniken erweitert und ergänzt worden. So existieren inzwischen verschiedene Techniken für die Bereiche Prophylaxe, Sportphysiotherapie, Sporttraumatologie, Schmerzmanagement, Orthopädie, Lymphologie, Neurologie, Innere Medizin, Gynäkologie, Podologie, Ergotherapie und Faszientherapie.

 

Professionelle Anwender wie Ärzte, Sportmediziner, Orthopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten können von verschiedenen Anbieter Schulungs-/Seminarangebote zu den unterschiedlichsten Techniken wahrnehmen. Das Erlernen der korrekten Technik bzw. die korrekt durchgeführte Technik gilt als essentiell für den Erfolg der Therapie. Nichtsdestotrotz gibt es immer mehr Produkte und technische Information, die Laien zum Selbst-Tapen angeboten werden.

 

Bei dem kinesiologischen Taping handelt es sich um eine so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die demnach aufgrund der noch nicht belegten Wirkung von den Krankenkassen nicht erstattet wird.

 

Die Auswahl der entsprechenden Taping-Technik nach der ursprünglichen Methode von Kenzo Kase setzt einen Screeningtest voraus, für dessen Interpretation man jahrelange Erfahrung als Therapeut benötigt und der keine wissenschaftlichen Qualitätskriterien erfüllt. Inhalte des Tests sind ein Screeningtest der Hals- und Brustwirbelsäule, ein Test der Bauchdeckenspannung, der Patrick-Test (Beweglichkeitstest für die Hüfte u. a.), Straight Leg Raise, ein Test der oberen Extremitäten, ein Beweglichkeitstest für die Halswirbelsäule. Dabei werden für die Auswahl der Taping-Technik die aus den Tests ermittelten Informationen zur Oberflächenspannung (Haut- und Fasziensystem), zum Schmerzbild, zur Bewegungsqualität und -quantität sowie zu vegetativen Symptomen berücksichtigt.

 

Die meisten anderen, "europäisierten" Methoden richten sich hingegen nach den jeweils aktuellen schulmedizinischen und physiotherapeutischen Untersuchungstechniken.

 

Neben dem ursprünglichen Kinesio Taping findet man inzwischen beispielsweise folgende Bezeichnungen von weiteren, kinesiologischen Taping-Methoden: Medi-Taping, Pain Relief Technique (BSN medical), Aku-Taping, Pinotaping, Dolo-Taping, Flexotaping u. a.

 

Allgemeine, technische Grundlagen

Anlegen und Entfernen:

  • Die Haut sollte trocken, sauber und fettfrei sein
  • Bei starker Behaarung sollte rasiert werden
  • Die Tapestreifen sollten in einer Vorpositionierung angelegt werden
  • Nach Anamnese wird die passende Technik durchgeführt
  • Durch Reiben muss der wärmeempfindliche Kleber aktiviert werden
  • Die Enden sollten zur besseren Haftung abgerundet werden
  • Vorgedehnte Streifen können verstärkt Hautirritationen hervorrufen
  • Tape in Haarwuchsrichtung abziehen, möglichst nah am Körper abziehen im Zug- und Gegenzugverfahren
  • Entfernen des Tapematerials am besten unter der Dusche
  • Der Tape-Verband sollte ca. 20–30 min vor sportlichen Aktivitäten angelegt werden

 

Grundsätzlich:

  • Das Tape sollte vorab nicht gedehnt werden

 

Ausnahmen:

  • Wenn die betroffene Körperpartie nicht gedehnt werden kann
  • Bei der Anwendung mechanischer und funktioneller Korrekturtechniken
  • Bei der Anwendung von Ligamenttechniken
  • Gewünschte maximale Dehnung des Materials zur optimalen Unterstützung an Kapseln, Bändern und gesamten Gelenken

 

Techniken

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, aufgrund der Tatsache, dass eine inzwischen erweiterte Ursprungsmethode und viele verschiedene modifizierte und neu entwickelte Methoden existieren.

 

Zur Durchführung der verschiedenen Techniken sind Tape-Zuschnitte unterschiedlicher Formen notwendig. Dabei wird unterschieden zwischen so genannten I-, Y-, X-Zügeln und Fächern.

 

Bei der Behandlung von Muskelbeschwerden gibt es zwei mögliche Applikationsrichtungen für die Tape-Anlage. Bei akut überbelasteten Muskeln wird zur Detonisierung vom Ansatz zum Ursprung geklebt. Bei schwachen Muskeln, oder wenn eine erhöhte Kontraktion gewünscht ist (zur Tonisierung), wird vom Ursprung zum Ansatz geklebt.

 

Folgende Techniken sind beschrieben:

  • Muskeltechniken für die Muskulatur (Ursprungsmethode: „Treatment of Muscles“)
  • Faszientechniken für die Faszien (Ursprungsmethode: „Fascia Correction“, „Space Correction“)
  • Ligamenttechniken für die Bänder (Ursprungsmethode: „Ligament/Tendon Correction“)
  • Korrekturtechniken (Ursprungsmethode: „Mechanical Correction“, „Functional Correction“)
  • Lymphtechniken für die Lymphe (Ursprungsmethode: „Lymphatic Correction“)
  • Kombinationstechniken
  • Nerventechniken für die Nerven (Spezielle Kombinationstechnik)
  • Narbentechniken für die Narben (Spezielle Kombinationstechnik)
  • Organtechniken (Spezielle Kombinationstechnik)
Quelle: Wikipedia